Borderline

Manchmal habe ich echt das Gefühl durchzudrehen. Ich lebe in meiner eigenen Welt, in die ich niemanden reinlasse und aus der mich niemand rauslässt. Es ist wie ein Traum, aus dem ich nicht erwache. Ich weiß nicht, ob ich überhaupt fähig wäre, in der realen Welt zu überleben....


Das "brüchige Ich" oder :
Warum knallt jemand durch?



Mit dem Begriff Borderline (border = Grenze, line = Linie) wird ein bestimmtes psychologisches Krankheitsbild beschrieben. Es werden Fälle damit bezeichnet, die weder typisch neurotisch noch typisch psychotisch sind, wohl aber Merkmale beider Störungen aufweisen...Das Borderline-Syndrom zählt inzwischen zu den meist verbreiteten und gefährlichsten psychischen Erkrankungen
Die Borderline-Persönlichkeitsstörung hat viele Erscheinungsformen, doch bestimmte Merkmale sind meistens vorhanden: Es fehlt eine dauerhafte Selbstidentität, es gibt keine stabile, gefühlsmäßige Einstellung zu anderen Menschen und zu sich selbst. Die Beziehungen zu anderen Menschen schwanken zwischen oberflächlichen Kontakten und klammernd-abhängigen Beziehungen. Es überwiegen Neigungen zu depressiven Verstimmungen und das Gefühl der Isolierung von anderen Menschen, der Betroffene erlebt sich als einsam und leer. Er ringt ständig um das Gefühl des Lebendigseins, um etwas, was die "Leere" in ihm ausfüllen könnte.
Das kann dazu führen, dass er versucht, durch Autoaggressionen dieser "Leere" zu begegnen...

Er hat eine Tendenz zu destruktivem Verhalten, neigt zu Wutausbrüchen und Feindseligkeit aufgrund fehlender Impulskontrolle.Oft hat er Alkohol- oder Drogenprobleme. Im beruflichen Bereich ist ein häufiges Scheitern festzustellen.
Charakteristisch für den Borderline-Patienten ist eine Aufspaltung in gute und böse Objekte, ein sogenanntes "Splitting", wobei in den Beziehungen Personen entweder idealisiert oder abgewertet werden und bei Bewertungen eine Schwarz-Weiß-Denkweise vorherrscht. Oft hat der Borderliner diffuse, allgegenwärtige Angstzustände, Phobien, Zwangssymptome oder Depressionen.

Diese neurotische Symptome können in einer Vielzahl vorhanden sein, sehr oft wechseln, aber auch völlig fehlen.


Körperliche Symptome sind...

~ Konzentrationsstörungen
~ Schlafstörungen
~ Unwirklichkeitsgefühle
~ Verspannungen
~ dissoziative Störungen
~ Taubheitsgefühle
~ das Gefühl, vom Körper getrennt zu sein
~ Wahrnehmungsstörungen


Psychische Symptome können sein...

~ innere Leere
~ Gefühlsüberflutung oder -verwirrung
~ Niedergeschlagenheit
~ Hoffnungslosigkeit
~ Angst- und/ oder Panikzustände
~ Gefühle von Schuld, Scham oder Ekel
~ Stimmungsschwankungen
(z. B. zwischen Angst, Ärger und Depression)
~ Schwierigkeiten, Gefühle wahrzunehmen
~ Selbstabwertung, bis hin zur Selbstzerstörung
~ Versagensängste
~ Schuldvorwürfe
~ "Schwarz-Weiß-Denken"
~ das Gefühl von Hilflosigkeit
~ Ohnmachtsgefühle
~ Angst vorm Verlassenwerden


Auf das Verhalten bezogene Symptome sind...

~ sozialer Rückzug
~ Aufgabe von Kontakten,
sowie beruflichen und privaten Interessen
~ Suizidversuche, -handlungen, -drohungen
~ Selbstverletzung, selbstschädigende Handlungen
~ die Unfähigkeit, Hilfe anzunehmen
~ Beziehungsprobleme


Zusammenfassend...

Emotionale Instabilität und schmerzhafte Gefühle können entstehen durch:

~ hohe Sensibilität für emotionale Ergeignisse
~ Hervorrufen heftiger Reaktionen durch alltägliche Ereignisse
~ impulsive Reaktionen, welche intensiver
und ausgeprägter sind als im Durchschnitt
~ Unfähigkeit, intensive Gefühle und Anspannung zu reduzieren
~ nicht selten eine depressive Grundstimmung


Borderline ist keine Modeerscheinung, wie so viele glauben möchten, sondern vielmehr eine ernstzunehmende Krankheit mit großem Leidensdruck für die Betroffenen! Man muss sich nicht unweigerlich damit identifizieren, aber respektieren sollte man's zumindest!




Ursachen des Borderline-Syndroms

Aufgrund unterschiedlicher wissenschaftlicher und therapeutischer Ausrichtungen gibt es mehrere Theorien über die Entstehung der Borderline-Erkrankung.

Es läßt sich ein gehäuftes Auftreten einer Borderline-Persönlichkeitsstörung feststellen, wenn folgende 4 Faktoren in der Kindheit zusammengekommen sind:

  1. Temperamentvolle Kinder sind gefährdeter (im Sinne biologischer Anlagen)
  2. Verlusterlebnisse in der Kindheit (können jedoch auch nur in Phantasie des Kindes stattfinden)
  3. Schmerzen (Kinder, die häufig krank sind und oft unter starken Schmerzen leiden)
  4. Aggressionen, denen Kinder ausgesetzt sind (Streitereien, Mißbrauch, Kriege,...)

Da zur Entwicklung eines Borderline-Syndroms mehrere Ursachen auslösend sind sollen hier noch weitere Faktoren genannt werden:

      5. Störung der Entwicklung innerhalb der ersten drei Lebensjahre:


Dieser Altersabschnitt ist für die Entstehung des Borderline-Syndroms von besonderer Bedeutung, weil sich in diesem Zeitraum die Grundsteine der Persönlichkeit entwickeln.

Die wichtigste Bezugsperson kann aus persönlichen oder gesundheitlichen Gründen nicht empathisch auf das Kind eingehen: sie ist vielleicht selbst psychisch instabil, sie hat persönliche Probleme in der Partnerschaft, im Beruf,...

Borderline-Persönlichkeiten haben nicht gelernt, daß eine Person gleichzeitig gut und böse sein kann, sondern halten diese Züge eines Menschen strikt voneinander getrennt.

6. Häufig findet man in der Kindheit des Betroffenen ein Verlassenheitstrauma:

Die wichtigste Bezugsperson steht aus anderen Gründen "nicht zur Verfügung". Zum Beispiel weil ein neues Geschwisterchen zur Welt kommt oder ein Angehöriger intensive Pflege benötigt (lange andauernde Überforderung) etc.

Weiters kann auch das reale Verlassenwerden durch z.B. einen Krankenhausaufenthalt (des Kindes selbst oder der Bezugsperson) oder eine längere berufliche Abwesenheit der Bezugsperson ein traumatisches Erlebnis für das Kind sein
7. Emotionale Vernachlässigung

Die "Primärversorgerinnen" waren lieblos, empathielos und überwiegend destruktiv, häufig jedoch auch in der aggressionswertigen Überfürsorglichkeit.

8. Konflikte im Jugendalter (z.B. im Rahmen der Ablösung der Jugendlichen vom Elternhaus)

9. Traumatische Erlebnisse

10. (Sexueller) Missbrauch
Borderline-Patienten sind in einem subtil wechselnd stark destruktiven Milieu aufgewachsen, wobei sich diese Destruktivität auch - und das überzufällig häufig - in direkter körperlicher Gewalt (Prügel) und sexuellen Übergriffen (sexueller Mißbrauch durch den Vater) manifestieren kann.
Zudem sorgen viele gesellschaftliche Veränderungen dafür, daß sich aus einer leichten Persönlichkeitsentwicklungsstörung eine massive Borderline-Störung entwickeln kann.

Insbesondere die Individualisierungstendenz, verbunden mit einem Rückgang der Unterstützung durch Familie und soziales Umfeld, sind hier als Beispiele zu nennen.

  • ° Innerliche Hochspannung
  • ° Konzentrationsstörungen
  • ° Unwirklichkeitsgefühle
  • ° Das Gefühl, vom Körper getrennt zu sein
  • ° Gefühlswirrwar, Gefühlsüberflutung
  • ° Gefühle werden entweder extrem ausgelebt oder total zurückgenommen
  • ° Schwierigkeiten die Gefühle wahr zu nehmen
  • ° Angstzustände
  • ° Schuld-. Scham- und Ekelgefühle
  • ° Wut und Ärger
  • ° Selbstabwertung
  • ° Versagensgedanken
  • ° Gedanken der Hilf- und Hoffnungslosigkeit
  • ° SchwarzWeiss-Denken (entweder gut oder böse, gut oder schlecht)
  • ° Unfähigkeit Hilfe anzunehmen
  • ° Angst vor Alleinsein und Zusammensein
  • ° Lebenslange Anstrengungen zu einer erfüllten Partnerschaft zu kommen
  • ° Starke Sehnsucht verstanden und geliebt zu werden
  • ° Aussetzen der Beherrschung und Selbstkontrolle
  • ° Hass und Selbsthass
  • ° Tiefe Verzweiflung
  • ° Suchen nach Bestätigung bis zur Provokation und Ablehung
  • ° Typisch sind auch Sprachgewandtheit, Witz und unterschweiliger Humor
  • ° Mangelne Fähigkeit zur Steuerung der Emotionen
  • ° Sehnsucht nach Nähe und Angst vor Intimität
  • ° Sich mit anderen vergleichen, ständige Überprüfung der Selbstsicherheit



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