Selbstverletzendes Verhalten - Wer macht es?
Selbstverletzende Menschen kommen aus allen sozialen Schichten. Es spielt keine Rolle, ob dick oder dünn, arm oder reich, alt oder jung. Unter den SVVlern sind Singles und gebundene Personen, erfolgreiche und arbeitslose Frauen neigen allerdings viel häufiger zu Selbstverletzungen als Männer. Sie werden gewöhnlich in vielen Dingen benachteiligt, bekommen weniger Anerkennung, im materiellen wie immateriellen Sinne. Frauen lernen, sich selbst zurückzunehmen, nachzugeben, lernen zurückzustecken. Sie sollen Bedürfnisse anderer erfüllen, auf Kosten der eigenen Bedürfnisse. Frauen sind gewöhnlich eher passiv, fühlen sich benutzt, missbraucht - machtlos. Frauen werden nicht ermutigt, ihren Gefühlen freien Lauf zu lassen, sie zu äußern, so dass sie oftmals die Wut, das Gefühl von Nutz- und Wertlosigkeit gegen sich selber richten. Außerdem werden Frauen häufiger Opfer sex. Mißbrauchs und diesen Erniedrigung hat oftmals Selbstverletzung zur Folge. Das soll nun nicht heißen, das Männer keine Selbstverletzungen vornehmen. Die Gesellschaft verändert sich, Männer rücken immer mehr in den Mittelpunkt, ihr Aussehen, ihr Körper. Auch sie stehen unter dem Druck, gut aussehen zu müssen - Eßstörungen werden bei Männern immer mehr. Wenn eine Patientin sich selber verletzt können wir mit Sicherheit davon ausgehen, dass diese Frau in ihrer Kindheit erheblich verletzt worden ist. Wir wissen nur nicht, wie ein Trauma, ein schlimmes Ereignis sorgt für ein seelisches Chaos. Wenn man dann nicht die richtige Unterstützung (seelische Hilfestellung, Fürsorge der Eltern, mentale Stabilität der Eltern) bekommt, muß man alleine damit fertig werden. Oftmals kommt es dabei zu Gefühlen von Vernachlässigung und Wertlosigkeit. Je jünger man zu dem Zeitpunkt des schlimmen Ereignisses ist, umso größer ist die Wahrscheinlichkeit, später sich selbst zu verletzen. Oft auch werden die Ereignisse verdrängt, scheinbar vergessen. Irgendwann, Jahre später, kann durch ein anderes bedeutsames Ereignis das alte Erlebte wieder "hochkommen". Alte Bilder kommen plötzlich wieder zum Vorschein (Flashbacks). Persönlichkeitsstörungen, Depressionen u.a. basieren häufig auf einem Trauma. Häufige Traumata sind:
Vergewaltigung, sex.Mißbrauch, körperliche Angriffe, Verlust eines Partners, Kindes oder der Bezugsperson.- Vernachlässigung, v.a. in seelischer Hinsicht - Depressionen: Selbstwertminderung, Selbsthass
- Selbstverletzung zur Lösung emotionaler Anspannung, es verschafft vorübergehend Erleichterung
- Frustration,Gefühle nicht ausdrücken zu können (es kann also als Botschaft betrachtet werden)
- Dissoziation: völliges Ausblenden von Gefühlen, man ist nicht "anwesend", wie abgeschnitten; Selbstverletzung, um sich wieder lebendig zu fühlen
- Wut gegen sich selber (da man die Wut gegen den/die TäterIn nicht ausleben kann/darf)
- Selbstbestrafung für Gefühle, Schuldgefühle (missbrauchte Menschen übernehmen oft die Anschuldigungen des Täters), Schuldgefühle von Tatzeugen: Schuldgefühle, Ohnmachtsgefühle, Gefühle von Hilflosigkeit
- Bestrafung anderer: Selbstverletzung, um zu zeigen, dass man Schaden genommen hat; der Täter sitzt in einem, muß bestraft werden
- Re-Inszenierung traumatischer Erlebnisse: um Erfahrungen zu verarbeiten oder aufzulösen; Fürsorge der Gegenwart dient auch zur Heilung der Wunden der Vergangenheit)
Erklärungen von Betroffenen, warum sie sich selbst verletzen:
umgewandelt, weil sie dort greifbarer erscheinen, man kann besser mit ihnen umgehen als Ergebnis von Mißbrauchserfahrungenum damit Spannungen abzubauen, die sich durch eine negative Situation aufgebaut hat um sich dadurch Erleichterung zu verschaffen, da sich die Anspannung dadurch auf ein erträgliches Niveau reduzierte. SVVler die ihre Wut nicht nach außen (an den Verursacher) richten können, richten sie gegen sich (indirekte Aggression) als Flucht vor der dem Alleinsein um emotionale Sorgen und Probleme auszudrücken, sie mitzuteilen um Kontrolle über den eigenen Körper zu spüren um selbst noch zu spürenseelische Schmerzen werden in körperliche Schmerzen als Ergebnis von Kindheitstraumatas Menschen, die sich selbst Verletzungen zufügen neigen häufig dazu eine depressive und niedergeschlagene Stimmung aufzuweisen, auch wenn sie sich gerade in einer Phase befinden, in der sie sich nicht aktuell verletzen.
Menschen, die sich selbst verletzen, können häufig nicht mit ihren Gefühlen umgehen, und es scheint einen biologisch erklärbaren Antrieb dafür zu geben. Sie neigen zu leichter Aggressivität und ihr Gemütszustand zum Zeitpunkt der Selbstverletzung ist wahrscheinlich eine stark intensivierte Version einer langbestehenden zugrunde liegenden Stimmung, (Herpertz, 1995). Ähnliche Ergebnisse beschrieben Simeon et al. (1992); sie fanden heraus, dass es zwei emotionale Hauptzustände gibt, die am häufigsten bei den Personen, die sich selbst verletzen, zum Zeitpunkt der Handlung vorhanden sind: Angst- und Ärgergefühle, die zudem seit längerer Zeit als Persönlichkeitsmerkmale bestehen. Linehan (1993a) fand heraus, dass die meisten SVV-ler ein stimmungsabhängiges Verhalten zeigen, in Übereinstimmung mit den Forderungen ihres gegenwärtigen Gefühlszustandes handeln, anstatt längerfristige Wünsche und Ziele zu erwägen.
Nach Steven Levenkron (1998) sind SVV-ler in der Gesellschaft oft weder unauffällig, scheu oder schüchtern, trotzdem fühlen sie sich als Aussenseiter, denken, dass sie anders als alle Menschen in ihrer Umgebung sind. Sie leiden unter einer ständigen Angst, die grundlos ist, und schaffen sich durch die Selbstverletzung Erleichterung.
Viele SVV-ler sind nicht in der Lage ihre Gefühle anders auszudrücken oder die Emotionen anderer Menschen wahrzunehmen, dies führt zu einer Isolation, einem defensiven Leben, in dem es lediglich ums Überleben geht.
Das Gesamtbild zeigte sich bei Menschen, die:
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...sich selbst nicht leiden können und sich verneinen
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...sehr empfindlich auf Ablehnung reagieren
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...chronisch ärgerlich sind, normalerweise auf sich selbst
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...dazu neigen, ihre Angst zu unterdrücken
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...einen hohen Grad aggressiver Gefühle besitzen, was sie sehr stark missbilligen und dann häufig unterdrücken, oder nach innen lenken
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...impulsiver sind und es an Impulskontrolle mangelt
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...dazu neigen nach ihrer momentanen Stimmungslage zu handeln
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...dazu neigen, in den Tag hinein zu leben und nicht weiterzuplanen
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...die depressiv und selbstmordgefährdet/selbstzerstörerisch sind
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...unter chronischen Angstzuständen leiden
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...leicht reizbar sind
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...die sich selbst als nicht fähig erachten, mit Situationen und Emotionen umzugehen
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...keine vielfältigen Möglichkeiten der Verarbeitung und Bewältigung besitzen
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...glauben, dass sie nicht die Fähigkeit besitzen, ihr Leben zu meistern
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...dazu neigen, "den Kopf in den Sand zu stecken", vermeiden Probleme
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...kein Selbstvertrauen besitzen
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...sich als machtlos empfinden
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...sich überall, wo sie sind, allein fühlen
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...sich emotional niemandem anvertrauen, sich auf niemanden verlassen können
Genaue Zahlen, wie viele Menschen sich in Deutschland selbst verletzen gibt es nicht, nach Schätzungen sind es ca. 800.000 Mädchen, mit Sicherheit sind es aber mehr. Daten über Jungen gibt es kaum, die Zahl wird aber als deutlicher geringer eingestuft, das Verhältnis ist etwa 5:1.
Das sich hauptsächlich Mädchen ritzen wird darauf zurückgeführt, dass sie nach gesellschaftlichen Normen ruhiger und fürsorglicher als Jungen sein sollen, ihre Aggressionen oft nicht ausleben dürfen. Schon in der Erziehung haben sie Angst vor Liebesentzug, da sich ihre Aggressionen als erstes gegen die Mutter richten, dies führt zu einem nach Innen richten der Aggressionen, Jungen agieren eher fremdaggressiv.
SVV beginnt häufig in der Pubertät, sie ist eine schwierige Phase in der es ein grosses Aggressionspotential gibt, dass Mädchen schlecht nach aussen bringen können. Sie suchen die Fehler oft bei sich selbst, wenn sie einen Verlust von Liebe und Anerkennung erfahren, nachdem sie versucht haben ihre Interessen durchzusetzen, aus diesem Konflikt resultiert oft eine depressive oder autoaggressive Reaktion.
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