Mein SVV - 2005

Wie viel kann ein Mensch verkraften? Wie viel steckt er weg? Aus wie vielen Löchern vermag er wieder herauszuklettern, wissend, dass sein Leben für immer verändert sein wird.

Diese Frage stelle ich mir manchmal. Ist es ein Segen oder ein Fluch, dass ich wieder aus der Dunkelheit ins Licht gestiegen bin? Kann ich dieses Leben, welches hinter mir, und nun eingewickelt in einer Mülltüte, in Form meiner Tagebücher, vor mir liegt annehmen als das meine? Kann ich all das, was ich dabei gelernt habe nutzen und akzeptieren? Oder sehe ich nur die flüsternden schwarzen Hände, die nach mir zu greifen versuchen und mich wieder zurückholen wollen in ihren Bann?


Für einen kurzen Moment merke ich Wärme auf meiner Wange und ich drehe den Kopf. Vor mir steht sie, die gleißende Sonne und strahlt mich an, wärmt mich, gibt mir Kraft und Mut dieses Leben zu leben.

Die Dunkelheit hatte mich bereits so sehr in der Hand, dass ich mich ihr beinahe ergeben hätte, ihr erlegen wäre, wissend, dass es keinen Ausweg mehr für mich gibt, doch war da immer ein letzte kleiner Funke Hoffnung, etwas, dass mir im tiefsten Nebel zuflüsterte, dass es immer noch Rettung für mich gab, dass ich nicht aufgeben soll. Und ich habe nicht aufgegeben, auch wenn ich oftmals kurz davor war, das Messer bereits in meiner Hand, mein Gesicht tränennass vor Schmerz, den ich nicht mehr tragen zu können glaubte. Wie oft sah ich den Schnitt meinen Arm hinauffahren, sah das Blut langsam aus meinen Venen sickern, mir Erlösung bringend, doch nur im Geiste. Das Bild war vorbei und ich stand da, immer noch das Messer in der Hand. Ein Knall... es ist zu Boden gefallen. Meine Augen blicken ihm ausdruckslos nach, blicken dann in die Ferne, so weit, wie ich in meinem Bewusstsein nicht folgen kann. Alles ist leer in mir und ich versinke wieder in die Dunkelheit, nicht fähig eine Entscheidung zu treffen oder einfach nur zu atmen. Doch irgendwie scheine ich es doch zu schaffen. Und wieder war diese Stimme da: Gib nicht auf!

Diese Zeit ist lange vorbei, ab und an huschen noch Schatten dieser Zeit durch meinen Geist, doch ich kann sie bändigen, ja teilweise sogar willkommen heißen. Ich erliege ihnen nicht mehr, lebe nicht mehr bei ihnen. Es ist wie Besuch aus einem anderen Leben, dass mich daran erinnert woher ich komme und wohin ich nun gegangen bin. Es ist ein wundervolles Leben und es ist schrecklich zugleich.

Neue Tage sind gekommen und wollen gelebt werden, neue Ideen, neue Wünsche... wie zum Beispiel irgendwann eine glückliche Familie zu haben... Es ist schon lustig, vor 3 Jahren hätte ich nie gedacht, dass ich eines Tages genau diesen Wunsch haben werde, so was ganz "Normales". Und es ist schön. :)

Immer wieder ertappe ich mich dabei, wie ich denke: Das hast du früher alles nicht geschafft, das konntest du nie tun. Dinge ändern sich und das ist gut so. Und so viel, wie sich im vergangenen Jahr geändert hat, hätte ich nie für möglich gehalten :)

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