Der Körper

Ich bin der Körper dieses Mädchens.
Wir leben aber nicht zusammen.
Wir sind nicht so wie die anderen, wir sind ganz anders.
Sie hasst mich, sie würde mich am liebsten verlassen.
Dabei mag ich sie doch. Aber uns trennt eine Mauer die wir beide nicht übertreten können.
Ich bin ihr Körper und ich muss jeden Tag Schmerzen ertragen, die ich nicht beschreiben kann.
Ich würde gerne weinen, um diesen Schmerz frei zu lassen, aber sie lässt es nicht zu.
Sie mag es nicht, wenn ich weine.
Ich weiß, dass sie nicht will, was mit mir gemacht wird.
Aber wir können uns nicht berühren, sie kann mir nicht helfen.
Ich weiß, dass sie es nicht böse meint, deswegen werde ich ihr verzeihen.
Sie hasst diesen Mann, der mir das antut, aber sie hasst auch mich.
Sie will mich zerstören und sie weiß, dass sie sich selbst damit auch zerstört.
Sie tut mir immer weh, aber nur, weil sie immer so traurig ist, weil er mir wieder weh getan hat.
Dann schlägt sie meine Hand gegen ihre Wand, bis ich blute oder sie lässt meine Zähne in meine Haut beissen.
Aber das tut nicht so weh, als wenn sie meine Hand nimmt und ich mir mit Rasierklingen die Haut aufschneiden muss.
Dabei darf ich jedoch weinen.
Sie sagt mir dann, dass ich so bin wie die anderen, aber im Gegensatz zu ihnen weine ich Blut.
Das beruhigt mich immer und mein kleines Herz beruhigt sich wieder.
Ich werde dann müde und sie legt sich endlich mit mir schlafen und ich weiß, ich darf dann endlich ausruhen.

Ich weiß warum sie mich hasst...
Ohne mich hätte sie das alles wohl nicht mitmachen müssen.
Ich wurde ihr zum Verhängnis.
Sie verabscheut mich so sehr das sie mich am liebsten unsichtbar machen möchte, oder auslöschen.
Wenn sie mich anschaut kommen ihr Erinnerungen an Geschehnisse hoch die sie am liebsten ganz weit weg verdrängen möchte und sie nie mehr vor sich haben will.

Dabei leide ich doch auch mit... ich habe doch alles genau so mitbekommen wie sie.
Auch wenn der Schmerz, den sie ertragen musste noch viel größer war.
Aber ich habe jede seiner Bewegungen wahrgenommen und es tat unendlich weh. Sie hat Angst und ich habe Schmerzen...
Ich würde am liebsten alles aus mir herauskotzen.

Morgen wird sie mich wieder bestrafen für das was ihr angetan wurde... ich habe Angst davor, aber ich kann nicht davonrennen wir gehören zusammen ob wir nun wollen oder nicht. Wir können nur zusammen gewinnen oder verlieren.
Ich bin ihr Körper, aber sie hat die Kontrolle über mich. Sie hasst mich und ich mag sie. Es macht traurig. Uns verbindet nichts mehr. Sie will mich nicht. Sie hasst mich. Jetzt. Wieder. Wir können nicht so leben, wie wir es jetzt tun, das halten wir beide auf Dauer nicht durch. Ich hoffe, dass sie mich eines Tages wieder mögen wird. Irgendwann.
Ich bin doch ihr Körper.
Ich sind doch wir!


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